Die vier Reiter des Kapitalismus

Schon lange wollte ich diesen Artikel schreiben, doch was mich davon abgehalten hat, ist die Aussicht, dass nur wenige sich die Mühe machen werden, diesen Artikel zu lesen. Dabei halte ich die hier genannten Grundlagen für sehr wichtig, um die heutige Welt zu verstehen.

Ich habe 4 Kernpunkte der kapitalistischen Strategie der heutigen Zeit identifiziert. Ich will hier Schritt für Schritt erklären, wie und was jeder einzelne Punkt zur kapitalistischen Agenda beiträgt.

Wie diverse Megatrends in diese Punkte verstrickt sind, werde ich in anderen Beiträgen thematisieren. Da wird es einige Kontroversen geben…! Abonnieren sie daher meinen Blog, damit sie nichts verpassen:

Urbanisierung

Was ist Urbanisierung?

Urbanisierung, im Vergleich zur Verstädterung, die nur demographische und siedlungsstrukturelle Aspekte beinhaltet, bezeichnet der Begriff Urbanisierung zusätzlich aus sozioökonomischer und sozialpsychologischer Sicht die Ausbreitungs- und Diffusionsprozesse städtischer Lebensformen, die sich z.B. in Haushaltsstrukturen, beruflicher Differenzierung, Konsummustern und Wertvorstellungen der Einwohner in Städten ausdrücken.

Die Urbanisierung steht im Stadtentwicklungsmodell für eine Phase der Bevölkerungskonzentration. Bei einer Zunahme der Einwohnerzahlen im Verdichtungsraum erhöht sich die in der Kernstadt insgesamt stärker als im Umland, wo zu Beginn der Phase Bevölkerungsverluste auftreten können. Drei Komponenten rufen diese räumliche Differenzierung hervor: Land-Stadt-Wanderungen, natürliches Bevölkerungswachstum und in deutlich geringerem Umfang Eingemeindungen.“

Lexikon der Geographie

Wie sie aus der Definition sehen können, geht es bei der Urbanisierung um viel mehr als nur den Zuzug in die Stadt.

Aber wir beginnen trotzdem damit. Der massenweise Zuzug in die Stadt bewirkt vor allem eins: einen Mangel an Wohnraum. Während auf dem Land jeder seine eigene Hütte bauen könnte, seinen eigenen Flecken Erde, sein eigenes Stück Land besitzen könnte, so ist in der Stadt der Grund und Boden schon vergeben.

Es müssen daher Menschen auf dem Grund und Boden von anderen Menschen wohnen und arbeiten. Es entstehen somit Miet- und Pachteinnahmen für die Besitzenden. Die Urbanisierung ist damit einer der wichtigsten Treiber für Kapitalismus, denn durch die stetigen Miet- und Pachteinnahmen vermehrt sich das Geld von selbst. Von den Einnahmen wiederum kann der Vermieter neue Häuser kaufen – auch vererbt, über Generationen hinweg.

Aber die Urbanisierung macht sich noch viel mehr bemerkbar. Während in einer kleineren Dorfgemeinschaft Selbständige und Familienunternehmen die Dorfgemeinschaft versorgen, so ist dies in den Städten nicht mehr der Fall. Es gibt eine hohe Dichte an Kunden. Daher lohnen sich auch größere Geschäfte, die bezogen auf die Arbeitsprozesse effizienter sind als kleinere Geschäfte. Dies bezieht auch die Arbeitsteilung in den Geschäften mit ein, die ebenfalls die Effizienz erhöht.

Dadurch werden in Städten Selbständige und Familienunternehmen zunehmend von größeren Firmen abgelöst. Damit kommen wir auch schon zum nächsten der vier „Reiter“:

Globalisierung

Was ist Globalisierung?

„Globalisierung lässt sich als Prozess der Intensivierung weltweiter wirtschaftlicher wie auch kultureller und sozialer Beziehungen verstehen, als zunehmende Integration von Märkten, Wirtschaftssektoren und Produktionssystemen in der Folge des strategischen Handelns mächtiger Akteure wie insbesondere der transnationalen Unternehmen (TNU) oder einzelner Nationalstaaten (Giddens, 1995; Schamp, 1996). Globalisierung manifestiert sich in der weltweit zunehmenden Mobilität von Menschen, Sachgütern, Dienstleistungen sowie Informationen. Waren lassen sich zu geringeren Kosten über weitere Strecken transportieren (Sachkapitalmobilität), Direktinvestitionen unterliegen geringeren staatlichen Auflagen (Geldkapitalmobilität) und hoch qualifizierte Arbeitskräfte sind räumlich und sozial mobiler (Humankapitalmobilität).“

Lexikon der Geographie

Die Globalisierung schließt an der durch die Urbanisierung begonnenen Dominanz von größeren Firmen an und verlagert diese von der Stadtebene auf sämtliche höheren Ebenen. So entstehen fraglos Synergieeffekte, wenn eine Firma an mehreren Standorten gleichzeitig arbeitet. Dadurch können sich diese wiederum von anderen lokalen Firmen abheben.

Darüber hinaus entsteht hier eine lokale Finanzübermacht: Der Gewinn aus anderen Städten kann dazu genutzt werden, in einer Stadt die Preise extrem zu drücken und die Mitbewerber in den finanziellen Ruin zu treiben. Über diese lokale Finanzübermacht kann nach und nach flächendeckend die Konkurrenz ausgeschaltet werden. Es entsteht dadurch ein Mono- oder Oligopol aus wenigen großen Firmen. Beispiele dafür sind Saturn/Media Markt und die Discounter-Märkte.

Die Globalisierung wirkt darüber hinaus noch auf andere Arten. So können größere Unternehmen ihre Produktion ins günstigere Ausland verlagern, damit ihre Kosten senken und schließlich die Preise drücken, was ihnen ebenfalls einen Wettbewerbsvorteil verschafft.

Dafür notwendig ist natürlich, dass entsprechend günstige Transportrouten vorhanden sind. Entsprechend sind günstige Transportrouten auch eine der wichtigsten kapitalistischen Bestrebungen.

Oft wird erzählt, dass die Gesellschaft durch die günstigeren Waren aus dem Ausland ja profitieren würde, da die Preise niedriger sind. Das stimmt aber nicht, da die Gemeinschaft ja auch für die Arbeitskräfte aufkommt, welche durch die Verlagerung der Jobs ins Ausland arbeitslos sind, zusätzlich entgehen dem Staat Einnahmen von Steuern und Sozialabgaben. Die Kosten für einen Arbeitslosen betrugen z.B. im Jahr 2014 im Schnitt 19.600 Euro (Quelle). Das entspricht beispielsweise dem Durchschnittsbruttogehalt einer Näherin, die in Deutschland arbeitet.

Die Gemeinschaft finanziert die Billigklamotten aus Bangladesch also praktisch mit Steuern und Sozialabgaben. Auch wenn es bei dieser Rechnung keinen Unterschied macht, so fließt der Gewinn dabei an den internationalen Konzern und nicht an eine kleine lokale Näherei – Kapitalismus pur.

Digitalisierung

Was ist Digitalisierung?

„Der Begriff der Digitalisierung [wird] in der deutschsprachigen medialen Öffentlichkeit immer seltener im Sinne der ursprünglichen Bedeutung (Umwandlung von analogen in digitale Datenformate) verwendet, sondern fast ausschließlich (und zunehmend unbestimmt) im Sinne der umfassenden Megatrends der digitalen Transformation und Durchdringung aller Bereiche von Wirtschaft, Staat, Gesellschaft und Alltag. Dabei geht es um ‚die zielgerichtete Identifikation und das konsequente Ausschöpfen von Potentialen, die sich aus Digitaltechnik ergeben‘.“

Wikipedia

Die Digitalisierung setzt da an, wo die Globalisierung an ihre Grenzen stößt. Denn es gibt immer Kombinationen aus Orten und Produkten, bei denen lokale Angebote trotz der Vorteile von internationalen Großfirmen konkurrenzfähig oder gar bevorteilt sind. An dieser Stelle setzt die Digitalisierung an: Jedes Produkt überall erwerben zu können, ist letztendlich die Strategie von beispielsweise Amazon, aber auch von Discountern wie beispielsweise Aldi mit ihren „Aktionsflächen“.

Wichtig dafür ist zu wissen, welches Produkt wann wo gekauft werden soll. Die Grundlage dafür liefern umfangreiche Datensammlungen („Datenkraken“). Diese entstehen einerseits durch Bonussysteme wie z. B. PayBack, durch Bezahlsysteme wie PayPal, andererseits aus freiwillig in sozialen Netzwerken angegebenen Daten (Facebook) und durch Verfolgung der Spuren aus Internet und Suchmaschinen (Google).

Diese Datensammlungen stellen ein Kernstück der Großkapitalisten dar, der ihnen gegenüber lokaler Konkurrenz einen massiven Vorteil bei der Vermarktung, dem Verkauf und der Reichweite bringt.

Aufgrund dieser Daten können die Discounter Aktionsflächen mit dem Bestücken, was gerade benötigt wird, und der Online-Handel kann mit individueller bzw. personalisierter Werbung das Individuum früher und effektiver erreichen.

Die Digitalisierung ist damit letztendlich der Weg zum globalen Mega-Oligopol.

Dysidentifizierung

Was ist Dysidentifizierung?

Nun, das ist ein von mir neu eingeführter Begriff, den ich so definieren würde: (Update 05.01.21: letzten Halbsatz geändert, siehe Diskussion)

Bei der Dysidentifizierung handelt es sich um eine durch externe Faktoren herbeigeführte Schwächung der Identität von Individuen. Dies äußert sich in allgemeiner Unsicherheit und Beeinflussbarkeit sowie der zunehmenden Identifizierung mit unpersönlichen Zielen (statt bspw. einem Berufswunsch) und unrealistischen Rollenvorbildern (statt bspw. der Eltern). Sie führt in extremerer Form zur Ausbildung von Persönlichkeitsstörungen (wie z.B. Borderline) und zu einer erhöhten Vulnerabilität für psychische Erkrankungen im Allgemeinen.

Zacharias Fögen

Eine der größten Schwächen, denen der Kapitalismus gegenübersteht, ist das (selbst denkende) Individuum. Denn die Kaufentscheidung trifft letztendlich immer noch jeder Einzelne selbst. Bei der Dysidentifizierung geht es beispielsweise darum, ein Individuum beeinflussbarer durch Werbung zu machen, damit es die globalen Marken unterstützt. Ebenso soll die Fähigkeit des Individuums, dem Gruppenzwang zu widerstehen, geschwächt werden.

Ein Beispiel dafür wäre, dass die Jugend lieber zu McDonalds und BurgerKing geht, weil es „hip“ oder „cool“ ist, als zum lokalen Burgerladen, der qualitativ hochwertigere Ware anbietet.

Die Mittel der Dysidentifizierung sind einerseits das Setzen von unrealistischen Vorbildern / „Influencern“ in den sozialen Medien, wie beispielsweise Instagramm. Der schlechte Einfluss von Instagramm, Facebook etc. auf die Jugend ist ja inzwischen belegt. Darüber hinaus sind aber auch weitere Strategien am Werk, um die Entwicklung der Identität Heranwachsender nachhaltig zu stören und so eine Unsicherheit (der Identität im speziellen, aber auch der Persönlichkeit im allgemeinen) zu bewirken.

Ein weiteres Mittel ist das Schüren von Ängsten über (echte) Medien und soziale Medien. Die Angst führt zu einer allgemeinen Unsicherheit des Individuums, was es leichter beeinflussbar macht. Ein ängstliches Individuum wird sich eher der sicheren Gruppe anschließen, weniger Dinge hinterfragen und insgesamt häufig den Weg des geringeren Widerstandes gehen.

Eines der Ziele der Dysidentifizierung ist die multiple Spaltung der Gesellschaft. Je heterogener eine Gemeinschaft ist und je unschärfer die Trennlinien zwischen einzelnen Gruppen verlaufen, desto schwächer sind seine Individuen, und desto besser wirken Werbung und Gruppenzwang.

Darüber hinaus ist der Kapitalismus immer daran interessiert, das möglichst viele vertikale Spaltungen der Gesellschaft entstehen. Eine Vertikale Spaltung ist eine Spaltung innerhalb der „Armen“, im Gegensatz zur horizontalen Spaltung in „Reich“ und „Arm“. Dadurch, dass die Armen sich nicht einig sind und einander bekämpften, bleiben die Reichen trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit an der Macht.

Das Schüren von Hass ist daher nicht unspezifisch, sondern immer gegen eine kleine Gruppe der Gesellschaft gerichtet. Dieser Hass wirkt im Prinzip zwar identitätsstiftend, beispielsweise ist der „Rächer“ ein beliebtes Motiv für diverse Bücher oder Filme. Hinter diesem Durst nach Rache gibt es aber kein weiteres individuelles Streben (Ziel), die Protagonisten sind nach Erfüllung ihrer „Hass-Mission“ inhaltsleer und haben keine eigene Identität entwickelt. Sie sind also einerseits manipulierbar (durch alles, was den Hass positiv oder negativ rekrutieren kann), sondern auch nachhaltig in ihrer Individualität geschwächt, was sie zu idealen Mitläufern macht.

Mein Fazit

Ich hoffe es ist deutlich geworden, wie die „vier Reiter des Kapitalismus“ zusammenarbeiten um das Kapital der wenigen zu vermehren. Aus meiner Sicht ist es notwendig, sich diesen vier Reitern entgegen zu stellen und eine klare politische Gegenposition zu beziehen.

Denn viele heute angeblich linke Positionen sind tatsächlich in Megatrends eingebettet, welche die vier Reiter des Kapitalismus unterstützen.

Ich habe Lust, darüber zu diskutieren, entweder hier in den Kommentaren, oder auf Twitter @ZachariasFoegen. Vielleicht mache ich bald auch mal einen „Twitter-Space“ dafür.


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Veröffentlicht von Zacharias Fögen

Arzt. Psychosomatiker. Tiefenpsychologe. Verheiratet, Vater von zwei Söhnen. Gegner der Corona-Maßnahmen. Antikapitalist und Antisozialist.

23 Kommentare zu „Die vier Reiter des Kapitalismus

  1. ja, das Verhalten der „Linken“ ist geradezu grotesk seit Corona. Sie spielen big-pharma und big-tech in die Hände und merken es nicht. Wagenknecht ist da eine rühmliche Ausnahme. Die Intelligenz der „Linken“ scheint aber nicht hoch genug, um das zu verstehen. Soros und Co. werden sich biegen, vor Lachen. Wie kann man diese Menschen überzeugen, dass sie genau die Falschen füttern ???

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  2. Danke für diese kurze, aber prägnante Analyse (die ich vollständig gelesen habe ;-). Dass der Kapitalismus zur immer stärkeren „Ballung“ und deshalb zu Mono- und Oligopolen führt, haben bereits Marx und Engels ausführlich voraus gesagt. Sie konnten natürlich nicht mit den aktuellen technischen Möglichkeiten rechnen. Insofern ist der Beitrag eine sehr wichtige Ergänzung. Insbesondere den letzten Punkt finde ich erhellend. Es wird ja offiziell so getan, als ginge es um Individuation im Sinne der Vorstellungen von C.G. Jung, und die Vereinzelung des modernen Menschen wäre nur eine Nebenwirkung. Im Grunde wird das Individuum in seiner Entwicklung und Sozialisation absichtlich geschwächt. Neben den beschriebenen Mechanismen, die vor allem die archaischen „WIR – und die (bösen) Anderen“-Wahrnehmungsmuster bedienen, ist es seit Beginn des neuen Jahrtausends jeder einzelne Mitmensch, der als „Terrorist“ und „Virenträger“ zur potentiellen Gefahr, zum „Gefährder“ wird. Das erzeugt wahre Isolation und das kompensatorisch starke Bedürfnis nach einer „schützenden Gemeinschaft“, welches umso mehr greift, als eine solche Gemeinschaft als „Recht habende“ Mehrheit empfunden wird. Eine fatale Entwicklung, auf die u.a. der belgische Psychologe Mattias Desmet hinweist.

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    1. Danke für den ausführlichen Kommentar. 🙂
      Paradox klingt es natürlich, wenn es heißt es gehe um Individuation, aber Individuation nach Jung bedeutet ja eigentlich, eine Resilienz gegen Überanpassung zu entwickeln.
      Diese Resilienzentwicklung wird aber gezielt unterlaufen.

      Auf die letzten Punkte gehe ich hier nicht ein, dazu folgen noch einzelne Beiträge.

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  3. Hallo Herr Fögen,

    vielen Dank für den sehr lesenswerten Artikel. Er fasst exzellent zusammen, in welche – meines Erachtens geplante – Richtung sich unsere Gesellschaft aktuell bewegt.

    Ich bin sogar so böse zu unterstellen, dass alle Parteien inklusive der Linken hieran fleißig mitwirken, selbst wenn sie es nur billigend in Kauf nehmen. Dahingehend möchte ich hier nicht von der großen, bösen Verschwörung philosophieren – doch die von Ihnen beschriebene Markt- und Finanzmacht wird sicherlich nicht davon absehen, sich auch politische Einflussnahme zu erkaufen. Siehe das Sponsoring des SPD Parteitags durch Pfizer. Und weit häufiger und weniger offensichtlich die weiteren Verquickungen von Politik und Industrie.

    Die von Ihnen gewünschte politische Gegenposition wird somit aus rein egoistischen Motiven heraus oftmals wohl gar nicht bezogen werden (können)!

    Eine deutliche Marktmacht im Sinne der Meinungsbildung hat übrigens auch Twitter inne. 😉 Daher wäre es eventuell eine Überlegung wert, für Diskussionen auch andere Plattformen wie GETTR oder Mastodon in Betracht zu ziehen.

    Herzliche Grüße

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  4. Es gibt keine große, böse Verschwörung, sondern das ist die natürliche Fortsetzung der Entwicklung der letzten fünf Jahrzehnte. Nachdem die bisherigen Methoden der Umverteilung von fleissig zu reich sich allmählich mangels Masse erschöpfen, müssen nun halt andere her. Schliesslich gilt es, den letzten Rahm abzuschöpfen, bevor wir nach einem „Neustart“ des Finanzsystems alle besitzlos und glücklich sein dürfen. Und Covid 19 bewährt sich dafür so sehr, dass wir mit weiteren ähnlichen Maßnahmen rechnen können. Gut geeignet sind Angriffe auf das Internet – Zugang gegen Lösegeld – und großflächige, andauernde Stromausfälle. Wer zahlen kann, hat Strom.

    Widerstand aus der herkömmlichen Politik wird es nicht geben. Die Inbesitznahme des Staates durch die Parteien sowie die Korruption innerhalb der politischen Strukturen verhindern das zuverlässig.

    Wenn überhaupt, kann es Veränderung nur von unten geben. Jedoch ist für eine ausreichende Bewegung der Leidensdruck noch lange nicht groß genug. Wir sind noch nicht 1788, das dauert noch eine Weile, bis die Schafe Fleischfresser werden. Leider.

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  5. Dysidentifizierung ist sehr gut identifiziert. Anorexie und Bulimie sind aber keine Symptome davon (es scheint naheliegend, ist aber nur rationalisiert). Urbanisierung findet sich etwa auch unter den „Sustainable Development Goals“ der UN. Zu diesem Punkt geht es auch um Enteignung von Bodenflächen (Land Grabbing) zu Gunsten von Agrarkonzernen. Um die native Bevölkerung zur Urbanisierung zu bringen, ist wiederum Dysidentifizierung hilfreich. Im Hintergrund etwa unter „(Post-)Washington Consensus“ laufen auch noch Strategien, um Ressourcen aus Entwicklungsstaaten billigst abzuschöpfen (etwa Lithium aus Bolivien für Elon Musk und seine „grünen“ Batterien) oder zu enteignen („Liberalisierung“, „Privatisierung“, „Private Public Partnership“) – von John Perkins „Economic Hit Man“ ist keine angenehme Lektüre zu dieser Thematik. Beste Grüße!

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    1. Danke für den ausführlichen Kommentar.
      „Anorexie und Bulimie“ habe ich nach einigem Überlegen rausgenommen und durch eine allgemein erhöhte Vulnerabilität gegenüber psychischen Erkrankungen im Allgemeinen ersetzt, die von der fehlenden Resilienz herrührt. Anorexie / Bulimie fand ich nahelliegend, da der zu Grunde liegende kompensatorische Kontrollwunsch (über die eigene Nahrungsaufnahme) gut zu einem allgemeinen Kontrollverlust passen würde, der aus der mangelnden Stabilität des Selbst kommt. Bei genauerem Nachdenken ergibt das aber keinen direkte Verknüpfung, da die Stabilität des Selbst auch anderweitig kompensiert werden kann und es nicht primär um das Thema Kontrolle geht.

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  6. Das war ja nur eine kleine kritische Randbemerkung. Klassische Symptomatiken aus Dysidentifizierung sind eher solche aus Parentifizierung. In heutiger Zeit könnte auch von „Greta-Symptom“ gesprochen werden. So können Dysidentifizierte im Sinne einer Gegenabhängigkeit (etwa auch gegen den alten, weißen Mann) auf die eigene (verdeckt neoliberale) Seite (aus trotziger Gegen-Abhängigkeit) gezogen werden. Und freilich konsumiert der Dysidentifizierte viel mehr, weil er vor allem Leere verspürt – und diese mit Konsum zu füllen sucht, aber die Befriedigung nur kurz währt und nachfolgend Enttäuschung und Frust die Leere wieder dunkel eröffnen. Der Dysidentifizierte sucht Erfüllung und moralisch korrekt anmutende Angebote werden so gerne hoffnungsvoll angenommen.

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  7. P.S.: Der Kausalzusammenhang ist wahrscheinlich eher so zu verstehen: Parentifizierung -> Dysidentifizierung. Oder heute zeitlich aus dem Aufbau der Gegenabhängigkeit der 68er gegenüber den (verteufelten) Altvorderen = Parentifizierung -> antiautoritäre, demokratische Erziehung -> Beliebigkeit, Verantwortungsdiffusion -> Dysidentifizierung der nachfolgenden Generationen.

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    1. Auf die antiautoritäre Erziehung würde mMn eigentlich wieder eine autoritäre Erziehung folgen, im Sinne einer Reaktionsbildung. Damit wäre man in einem stetigen Pendeln.
      Der Aspekt der Beliebigkeit ist ja gerade etwas, das als neues Element unter dem Einfluss von kapitalistisch geprägten Megatrends entstanden ist.

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      1. Ja, klar, ein stetiges Pendeln wäre logisch. Allerdings dysidentifiziert, also ohne originäre Werte, bloß opportunistisch, beliebig orientierend wird gefährlich, befürchte ich.

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  8. Der wesentlichste Punkt ist die Dysidentifizierung nur so funktioniert es. Warum einige Kommentatoren so vorsichtig mit dem Wort Verschwörung sind verstehe ich nicht – das hat sicherlich mit den Medien der letzten 2 Jahre zu tun. Die Familien die vor 600 Jahren reich waren sind es heute noch und natürlich verbünden die sich für Ihre Interessen Global und das kann man eine Verschwörung nennen nur ist die schon sehr alt. Über Parteien zu reden finde ich in dem Zusammenhang absurd da diese eingesetzt Schauspieler des alten Brot und Spiele Programms sind. Dann glauben Sie auch das Wahlen was ändern und Sie in einer Demokratie Leben. Demokratie wird immer gewährt wenn die Kosten der Kontrolle zu hoch sind so entstand die Demokratie in Griechenland die Kosten der Kontrolle waren zu hoch. Jetzt sind die Kosten so niedrig wie nie in der Menschheitsgeschichte also ist es vorbei mit der Demokratie na ja der Pseudodemokratie. Jetzt kommt die Wiederholung 1918 bis 1923 spanische Grippe, dann Inflation, dann der Lastenausgleich dann die Weltwirtschaftskrise und danach – Digitalgeld und keine Demokratie mehr sondern die absolute Kontrolle. Die Sklaverei wurde ja nie abgeschafft sondern nur durch das Geldsystem ersetzt und jetzt wird der Sack zu gemacht und da ist der wesentlichste Punkt die Dysidentifizierung aber die hat schon mit der Zerstörung der Familien eingesetzt. Was die Urbanisierung anbelangt so ist da noch der Aspekt das den Menschen gar kein Land mehr gehören soll und auch die Möglichkeit genommen werden soll selbst Lebensmittel anzubauen oder Vieh zu haben. Sie sollen in Städten konzentriert werden weil es leichter ist sie zu überwachen das gleiche gilt für die Digitalisierung sie dient final auch der Überwachung und die Globalisierung wird sich zurück bilden weil der Transport zu teuer wird aber wenn den Konzernen das ganze Land und Wasser und Wälder etc. gehört dann können sie mit ein paar Maschinen auch Lokal alles herstellen. Ein sehr guter Text die Dysidentifizierung gefällt mir am besten denn Borderline ist schon das neue normal wie es der Coronavirus es ist.

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    1. Es ist interessant, dass sehr viele das (Hyper-)Inflationsgespenst sehen – dabei handelt es sich um ein deutsches Urtrauma. Klar, man treibt jetzt irreführend ein wenig in diese Richtung. Aber schauen sie sich mal (insbesondere die Liste Auslöser/Verstärker) https://de.wikipedia.org/wiki/Deflationsspirale (Wiederholung von 1928-33) an. Mit dem Lastenausgleich liegen sie dann wieder richtig, mit vielem sonst auch. LG CGB

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      1. Die Inflation ist schon da ich würde es eine Stagflation nennen und wir werden die 6% dieses Jahr sehen und 2023 werden wir die 10% sehen. Wenn die Menschen arbeitslos werden da 2/3 im Mittelstand beschäftigt sind also rund 28 Millionen und dann der LAG kommt dann werden sie gezwungen sein zu verkaufen dann Platz die Immobilienblase dicht gefolgt von der Börse. Alle 100 Jahre eine Weltwirtschaftskrise und dann kommt der digitale Euro. Ach ja wenn Sie für die Zukunft anlegen wollen nehmen Sie ein Pharmaunternehmen was keinen Impfstoff hergestellt hat aber führend bei dem Krebsmedikamenten ist.

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        1. Stagflation haben wir dzt. Wenn Menschen vermehrt arbeitslos werden, kann es keine Inflation geben, da dadurch die Kaufkraft nachlässt. Inflation/Deflation korreliert mit der gesamtwirtschaftlichen Lohnsumme. Bei einer deflationären Entwicklung platzt freilich die Immobilienblase, Kredite fallen aus, Banken werden insolvent, Kreditklemme – Deflationsspirale.

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  9. Zur Dysidentifizierung gehört auch das eindampfen der Bevölkerung einen Krieg können sie nicht machen der wird Atomar und Biologische Waffen scheiden auch aus da zum einen zwar die Eliten geimpft werden können aber zum anderen Vieren mutieren wie wir wissen und wenn näher zu viele Sklaven sterben dann muß die Elite nachher noch selbst arbeiten. Also nimm was harmloses dir gehören die Medien und Blase es auf. Die Game of Funktion Versuche waren kein Zufall und das entkommen dieses Virus wahrscheinlich auch nicht. Wirkt ähnlich wie Racumin von Bayer – langsam sonst wird der Köder nicht gefressen. Das ist die letze meiner Verschwöhrungstheorien alle anderen sind wahr geworden. LG PMH

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  10. Hallo, einerseits finde ich den Begriff Dysidentifizierung interessant, andererseits frage ich mich, ob einer neuer Begriff notwendig ist. Ich sehe eine Kurzbeschreibung dessen, was am Beginn der 70er seitens der Frankfurter Schule, u.a. von E. Fromm, als die Verwaltete Gesellschaft betrachtet wurde. Bereits vor der Digitalen Revolution hatte der Markt u. Gestalter das Bestreben, Individuen in gezielt ansprechbare Gruppen unterzubringen, innerhalb derer u.a. durch Gruppenzwang, -Druck, -Moral, der Konsum manipuliert werden kann. Gleichsam seitens staatl. Institutionen Gruppen besser gelenkt werden können. Nunmehr sehe ich die Situation einer gigantischen Datenbank, die seitens Bedarfsträgern mit Kriterien abgefragt werden kann, woraus dann die manipulierbaren Zielgruppen entstehen. Im Ergebnis, so bereits damals, ist das Individuum theoretisch frei, muss aber immer mehr Kraftaufwand erbringen, diese zu leben. In eine ähnliche Richtung geht die Terrorismusanalyse von Wolfgang Schmidbauer, in der besonders junge Männer oftmals keine echte eigene Identitätsentwicklung sehen u. sich deshalb Radikalen Religionsgruppen oder analogen Vereinigungen zuwenden. (Ich glaube die Identitären sind mit der Namensgebung, quasi ein Beweis). So oder so, finde ich die Analyse hier zutreffend.

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  11. Final bleibt noch zu sagen das der Westen fertig ist. Vergleiche ich das durchschnittliche Alter von Ost und West, die Produktionskapazitäten, die Innovationskraft, die Resourcen und die Herangehensweise lieber Handel zu trieben als Geld für totes Kapital wie Waffen auszugeben na ja dann noch die prinKopf Verschuldungsquote der Länder dann können die Eliten den Westens nur noch die Kontrolle aufrecht erhalten durch totale Kontrolle obwohl die total Kontrolle des Nutzviehs da ist der Osten auch nicht abgeneigt. Nichts desto trotz wird der Westen implodieren und sich mit Inflation und Enteignung weiterhin an der Macht halten. Der sozialistischen Ökofaschismus in dem die Grünen nach Waffen und Krieg schreien. Na ja die SPD wird wohl die Fehler der Weimarer Republik nicht wiederholen. Der Sack wird zu gemacht und die EU als Vorposten der Vasallenstaaten alles umsetzen und vorbereiten. Ich verkaufe gerade alles und werde hoffentlich in einem Jahr ganz aus der EU sein – meinen Wohnsitz habe ich schon an den Rand verlagert ich brauche nur noch über eine Grenze zu fahren… So long Ihr lieben Leute.

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