LongCovid und die Psychosomatik

Update vom 15.12.: Eine weitere (noch bessere) Studie ergänzt, siehe unten

Am 28. September erschien eine Studie auf PlosOne, die sehr gemischt empfangen wurde. Die einen schrieben: „Long COVID More Common Than ‚Long Flu‘, Study Suggests„, die anderen: „Forget ‚long Covid‘ – people now suffering from ‚long flu‘, according to study„. Grund genug für mich, die Studie mal selbst durchzulesen.

Worum geht es in der Studie? Aus 81 Millionen anonymisierten Patientendaten wurden diejenigen mit COVID-19 (273.618) und diejenigen mit Influenza (114.449) herausgesucht. Allerdings zählen Erkrankung an einem von beidem erst ab dem 20. Januar 2020, und nur bei über 10jährigen.

Dann wurde für die folgenden neun Symptome untersucht, ob sie in einem Zeitraum von 3 bis 6 Monaten nach der Erkrankung mit COVID/Influenza aufgetreten sind:

  • Chest/Throat Pain (Hals- und Brustschmerz)
  • Myalgia (Muskelschmerz)
  • Pain (nicht näher bezeichneter Schmerz)
  • Fatigue (Müdigkeit)
  • Headache (Kopfschmerz)
  • Abdominal Symptoms (Durchfall und Bauchschmerzen)
  • Cognitive Symptoms (Kognitive Störungen, hier haben die Autoren auch Diagnosen von allen möglichen Demenzformen inkludiert…)
  • Anxiety/Depression (Angst/Depression)
  • Abnormal Breathing (Nicht normale Atmung)

Als Psychosomatiker muss ich sagen: Ja, ich kenne jedes einzelne Item aus dieser Liste aus meiner Berufserfahrung. Diese Dinge sind eng mit der Psyche verbunden. Ich gehe jetzt hier nicht auf die genauen Zusammenhänge ein, diese können Sie in meinen Buch nachlesen.

Hier erhältlich, mit Leseprobe

Weiterhin gibt es den sogenannten Nocebo-Effekt. Er ist das Gegenteil vom bekannteren Placebo-Effekt. DIe Art und Weise, wie ein Medikament wirkt, wird beispielsweise dadurch beeinflusst:

„Nehmen sie diese Tablette. Sie hat praktisch keine Nebenwirkungen. Danach werden sie sich wie im siebten Himmel fühlen. Ihre Schmerzen verschwinden, ihr Körper fühlt sich leicht und frisch an.“

Placebo-Effekt

„Nehmen sie diese Tablette. Sie können Kopfschmerzen davon kriegen. Auch höllisch starke. Trinken sie dann Wasser. Wenn die Kopfschmerzen unerträglich werden und ihr Gesicht taub wird, rufen sie den Notarzt.“

Nocebo-Effekt

Was hat jetzt der Nocebo-Effekt mit dem ganzen zu tun? Nun, die ständige mediale Beschallung über die Gefahren von LongCovid induziert, bezogen auf COVID-19, einen Nocebo-Effekt.

Um die Stärke dieses Novebo-Effektes zu betrachten, habe ich mir die Daten der Studie mal angesehen. Als Referenz für den Nocebo-Effekt habe ich mir die Daten aus der Placebo-Gruppe der Studie des BionTech-Impfstoffes (nach der ersten „Impfung“) herausgesucht (zu finden dort in Bild 2). Wir vergleichen also LongCovid mit der Häufigkeit der „Nebenwirkungen“ bei der Infusion von Wasser. Auch wenn es sich um die sogenannte Placebo-Gruppe handelt, sind diese Nebenwirkungen natürlich ein Novebo-Effekt. Die Studie hatte 10.986 Teilnehmer zwischen 16 und 55 Jahren, es ist also ein recht repräsentativer Vergleich.

„Nebenwirkung“Placebo-GruppeLong-XXX-SymptomCOVID-19Influenza
Local Pain14%Chest/Throat Pain5,71%3,79%
Muscle Pain11%Myalgia1,54%1,27%
Fatigue33%Fatigue5,87%5,08%
Headache34%Headache4,63%4,69%
Diarrhea12%Abd. Symptoms8,29%4,69%
Joint 6%Pain7,19%5,53%
Chills6%Cognitive Symptoms3,95%1,83%
Vergleich BionTech’s Placebo-Gruppe mit Long-XXX

Die lokalen Nebenwirkungen (bei Erkältungen in Hals und Brust, bei der Wasser-Injektion im Arm) tritt in der Placebo-Gruppe deutlich häufiger Auf. Dasselbe gilt für Myalgie/Muskelschmerz, Fatigue/Erschöpfung und Headache/Kopfschmerz. Alleine der Durchfall ist in der Placebo-Gruppe häufiger als mehrere Abdominal-Symptome einschließlich Durchfall bei Long-XXX. Der nicht näher klassifizierte Schmerz (welcher Arzt kodiert sowas …) naja, liegt jedefalls ungefähr im Bereich des Gelelenkschmerzes. Die Kognitiven Symptome habe ich mal mit Schüttelfrost verglichen… denn beides hat nur noch wenig mit dem eigentlichen Virus zu tun.

Bezüglich der zwei anderen Punkte habe ich mir mal die Vorerkrankungen angeschaut:

COVID-19Influenza
SymptomAnxiety/Depression15,49%14,27%
KomorbiditätenAnxiety Disorder15,40%17,70%
Mood DIsorders19,10%22,80%
SymptomAbnormal Breathing7,94%4,69%
KomorbiditätenAsthma10,80%15,40%
Nicotine7,30%11,40%
Symptome und Comorbiditäten in der Studie

Extrem spannend finde ich, dass die Zahl der Patienten mit Symptom Angst/Depression unter der Prozentzahl der Patienten in dieser Gruppe mit einem von beiden als Vorerkrankung liegt. Wahrscheinlich liegt dies daran, dass ängstliche und depressive Menschen weniger sozialkontakte haben und sich seltener anstecken.

Bezüglich der „Atemstörungen“ sagt ICD-10: „When you’re short of breath […] Lung conditions such as asthma […] cause breathing difficulties.“ Es ist schon spannend, dass die Zahl der Asthma-Patienten alleine über der Zahl der Patienten mit Atemproblemen liegt. Da Asthma Atemprobleme macht, kein unplausibles Ergebnis, besonders wenn man die Raucher noch dazu nimmt.

Update

Eine sehr gute Studie aus Frankreich macht hervorragende Arbeit. Sie überwachte Menschen innerhalb eines gewissen Zeitraums. Sie fragte ab, ob diese Long-COVID-Symptome haben, ob diese dachten, mit COVID infiziert zu sein, und stellte aber erst am Ende des Untersuchungszeitraums mittels Serum-Antikörper-Test fest, ob diese infiziert waren. Die Probanden wussten also während des Zeitraums nicht, ob sie infiziert sind.

Das Ergebnis: Einen Zusammenhang zwischen Long-COVID-Symptomen und tatsächlicher Erkrankung gab es nur für Anosmie (Geruchsverlust), aber sehr wohl einen Zusammenhang zwischen vermuteter COVID-Infektion und persistierenden Symptomen.

Die Menschen, die dachten, sie hätten COVID gehabt, hatten also Symptome von Long-COVID. Das ist der Nocebo-Effekt.

Fazit

Ich zweifle sehr an LongCOVID oder LongInfluenza als eigene Krankheitsentität, sondern halte es vielmehr für ein Sammelbecken von psychosomatischen Symptomen, bei denen eine vorausgegangene körperliche (Virus-) Erkrankung dazu führt, dass bestimmte psychosoziale Mechanismen oben genannte psychosomatische Symptome auslösen.

Als Beispiel für so etwas sei der „BurnOut“ genannt: Nachdem jemand lange grenzkompensiert gearbeitet hat, führt eine psychische oder körperliche Erkrankung zur Dekompensation bzw. zum nicht-Erfüllen der Arbeitsanforderungen und damit zum Zusammenbruch (Burnout) mit den Symptomen Erschöpfung (psychosomatisch) und gedrückter Stimmung .

Hinweis: Fragen zu Statistiken und Methoden beantworte ich gerne in den Kommentaren.


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Veröffentlicht von Zacharias Fögen

Arzt. Psychosomatiker. Tiefenpsychologe. Verheiratet, Vater von zwei Söhnen. Gegner der Corona-Maßnahmen. Antikapitalist und Antisozialist.

7 Kommentare zu „LongCovid und die Psychosomatik

  1. Sie zweifeln also longcovid?, habe ich das richtig verstanden?
    Longcovid ist psychosomatisch, wie sieht es ihrer Meinung nach mit ME/CFS aus? Auch nur eingebildet?
    Merkwürdig wirklich einfach alles nur auf die Psyche zu schieben
    Für eine Antwort wäre ich dankbar

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        1. Es gibt keine eingebildeten Erkrankungen, es sei denn sie möchten Halluzinationen als solche verstehen. (Aber auch bei diesen wissen wir heute zumindest ansatzweise die physiologie bzw. neurobiochemische Entstehung).
          Die Einflüsse unserer Emotionen (auch bzw. vor allem der unbewußten) auf den Körper sind inzwischen sehr gut verstanden. Leider kenne ich kein Buch für Laien, welches diese gut erklärt zusammenfasst, deshalb schreibe ich so nebenbei selbst an einem (Arbeitstitel: Der Schmerz kommt nicht vom Wetter). Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich daher nicht ins Detail gehe.
          Ich verweise stattdessen auf meinen Kommentare unter diesem Video:
          https://www.youtube.com/watch?v=YYlsgzmjPtU&lc=UgwMCqOy_kF3E0kqaO94AaABAg.9Wkd5LD4teE9X7ZgOcbtaC
          Als betroffene kennen sie das Video sicherlich?
          Der erste Kommentar hier nochmal, falls sie ihn nicht finden (der zweite ist im Verlauf):
          Wenn in einer doppelblinden randomisierten Studie kein Benefit auftritt, heißt das, die Placebogruppe hat ebenso profitiert wie die Verumgruppe.
          Der vorher festgestellte Effekt war also ein Placebo-Effekt.
          Es gibt Migräne-Studien die zeigen, dass eine Placebo-Infusion die Migränetage um 2,5 pro Monat senkt gegenüber keiner Infusion.
          Bei jeder Erkrankung, die auf Placebo anspricht, ist grundsätzlich eine psychische Komponente beteiligt. Darüber sprechen die Autoren des Films überhaupt nicht.
          Damit bleiben sie streng auf Linie der dt. MECFS Gesellschaft, die sich radikal von Psychosomatik distanziert. Dabei sind solche Ansätze durchaus erfolgversprechend. Beispielsweise gibt es Fallberichte die zeigen, dass modifiziertes EMDR zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden von Pat. mit MECFS führen kann.
          Ebenso zeigen sich postvirale Veränderungen nur bei Subgruppen der Patienten mit MECFS, so dass die virale Genese durchaus diskussionswürdig wäre.
          Eine entsprechende Diskussion in England wurde aber durch massives Diskreditieren der Psychiater, die sich dagegen aussprachen, forciert beendet.

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          1. Danke für ihre Antwort, leider habe ich versäumt, früher zu antworten,
            ME/CFS ist tatsächlich eine sehr vielschichtige Geschichte/ Erkrankung.
            Ihr Video habe ich leider noch nicht gesehen, werde dies nachholen
            CFS ich habe die Unterscheidung zu ME noch nicht verstanden.
            Interssant ist ja die Ursache für diese Erkrankung (meiner Meinung nach auch in der Umwelt Verschmutzung zu suchen, ich bekomme so viele unterschiedliche Ereignisse geschildert wie es los ging.
            Bei mit tatsächlich in einer psychisch anstrengenden Zeit, nach einer Blutspende ( ich hatte die19 . Spende gegeben, bin zusammen geklappt und habe mich nicht mehr erholt) danach hatte ich Erschöpfung und Angst mit Panikattaken. Mehrere Reha und Psychotherapie haben meine Probleme nicht gelöst. In meinen Beratungen empfehle und ermutige ich zu einer Psychotherapie, da ich das zur Unterstützung toll finde.
            Aktuell habe ich 30 -40 % der eigentlichen Energie zur Verfügung
            Danke

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  2. „(Arbeitstitel: Der Schmerz kommt nicht vom Wetter).“

    Ich sage mir, auch ohne die „Meenzer“ Prof. Lieb und Prof. Fellgiebel: „Gehe mit der Sonne bzw. verstehe sie.“

    In den psychologischen Kosmen wird nicht auf den Zusammenhang Sonne-Erde-Mensch Bezug genommen, weil man angeblich die zweite Natur in Form der Gesellschaft nicht ändern könne.

    Freud sah im Trieb seinen metaphysischen Nullpunkt, um sich als der Menschen Sonne darstellen zu wollen.

    In meinen Augen ein aussichtsreiches Placebo, wenn es überhaupt als solches gelten muss: „Die Sonne „will“, dass sich das Elektron bewegt.“ – Dem ist jede Bewegung unterzuordnen, auch die des Menschen.

    Die Bewegung als wahre Kühlung macht die Bremsung der Erderwärmung aus.

    Dem muss sich ein gesund bleiben wollender Mensch unterordnen, anstatt zu glauben, dass sich ein Gott bzw. eine Vorsetzung von Mensch vor seine Sonne schob.

    Ich stelle die Frage: „Bringt das Gehen bzw. Bewegen mehr, als eine Gesprächstherapie im Sitzen, bei der sich die Patient:in „ausquatschen“ soll?“

    Ist der heutige Mensch eigentlich beim Denken unterwegs, was aus seinen wahren Sinnen abgeleitet wird, oder finden wir es wirklich schön, dass wir Zitierer:innen und Plagiate-verdächtig sind?

    Ich höhere Kant und Leibniz mit: „Total falsch abgebogen!“

    In meinen Augen gehört zur Kapitalismuskritik auch: Gehen wir in Gespräche mit dem ersten Satz „Ich bin schuldig.“ rein? Wir gehen rein mit: „Ich zeige Dir einmal wo der Hammer hängt.“

    Irgendwie ist die Psychosomatik mit der Pharmakologie verheiratet worden, und Millionen Menschen wurden und werden als Ärzt:innen darauf ausgebildet.

    Meine Einschätzung: Des Menschen Irrweg fing vor der Tablette an, weil er sein Ich vorn anstellen will, anstatt sich in die Natur mit Sonne richtig einordnen zu können. – Eine Bildungsfrage!

    Dann kommt der Mensch in die psychosomatische Klinik, in der jeder Tag ein 1. April zu sein scheint, mit „Wir helfen Dir.“

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  3. Es war einmal das Jahr 1492. Es ist gar nicht so lange her. – Es wären etwa 5 – 10 Menschenleben-Längen. Der 12. Oktober dieses Jahres ist in Spanien Nationalfeiertag.

    Die Psycho-Logik stammt von denen, die einen Erdteil Amerika nannten, um einen Teil des Lebens dort Indianer zu nennen, weil sie mit Ihrer Logik irrten, zu fehlbar waren, kontinentales Indien zu finden.

    Es waren keine Asiat:innen mit Inder:innen und Chines:innen.

    Die chinesische Kommunistische Partei geht irgendwie auf Europäer zurück. – Es wäre auch das keine Eigenerfindung. – Wie war das noch einmal mit über Tellerränder schauen sollen?

    Wir berufen uns auf etwas, was unseren „Kannibalismus“ bedingt. Wir mussten einfach einmal Anderen zeigen, wie Leben nicht geht. WIR DA. – SIE WEG.

    Verbot die Europäer:in den KOLUMBianischen Kokastrauch? – Es ginge so „geil“ Kapitalismus damit.

    Wie hoch ist der Anteil an Psychiatrie-Patient:innen, die Opfer von Drogen wurden? Ich meine, wir verzählen uns immer dabei.

    WIE OFT wollen wir noch versprechen, aus der Geschichte lernen zu wollen, ohne es halten zu können?

    1912 war Titanic.

    Wodurch soll in die Genetik von Europäer:innen Vertrauen bedingt sein?

    Ich bin deshalb auch bei einer Berufung auf den Marxismus sehr skeptisch. Wenigstens hat da schon einmal einer im 19. Jahrhundert GANZHEITLICHER GEDACHT, als nur in ein Detail – als einen Fetisch – verliebt sein zu müssen.

    Wir dürfen zugeben, dass wir falsch sind, weil wir mit der Logik der Lüge behaftet sind.

    Die junge Europäer:in, das arme Wesen wird geboren mit „Ich will alles besser machen.“ Dabei kamen und kommen immer Titanicen heraus.

    Ich vermisse unser wahrhaftes In-uns-Gehen mit „Wir sind schuldig.“

    Wir dürfen noch einmal genau nachdenken, warum korrigierendes mRNA notwendig wurde. Es wäre in meinen Augen das erste Sinnvolle, was den Europäer:innen entstammt, um nicht ganz als geistig arm gelten zu müssen. – Kreise haben einen Mittelpunkt, um darum größer zu werden.

    Wo ist in der Evolution Logik zu suchen, dass sie zum Besseren findet? – Wir spielen auf Zeit.

    Ich lehne SKEPTIKER:INNEN nie ab, jedoch ihr wollendes Ansinnen. Wir sind zu viel Ich.

    Wir sind einfach ganz arm dran mit „Partylaune“-Prophet:innen, die uns nur noch schneller Meeresabgründen näher brachten und bringen.

    Eine WAHRE LEUGNER:IN ist die Person, die des Menschen Geschichte leugnet.

    Es gehöre auch zur FREIHEIT des Menschen, KEIN VERTRAUEN IN IHN haben zu dürfen.

    „Ein Pessimist, ist ein Optimist, der nachgedacht hat.“ – Es geht irgendwie posthum auf stark Zigarette rauchenden Altkanzler Helmut Schmidt zurück.

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