Ist Omikron ungefährlicher als Delta?

Überall heißt es ja, dass Omikron so viel milder sei als Delta.

Aber stimmt das auch? Schauen wir uns erst mal die Verteilung der Fälle an.

Ein Blick in den aktuellen RKI-Wochenbericht zeigt folgende Daten (der innere Ring zeigt den Anteil an der Bevölkerung im Mittelwert der 4 Wochen):

Warum ist das so? Weil die Sequenzierung auf Omikron keinem festgelegten Muster folgt, sondern auf einer Zufallsstichprobe basiert. Damit wird der „deutsche Bias“ eliminiert, der gegenwärtig ein 2Gplus-Bias ist, das heißt alle die nicht geboostert sind werden übermäßig getestet und die geboosterten nicht mehr. Natürlich wird der Bias damit nicht komplett aufgehoben.

Außerdem gibt es noch einen zweiten Bias: den Bias durch Risikovermeidung. Die „Rotpunkte“ die jegliche Kontakte vermeiden haben sich natürlich boostern lassen und sie haben prinzipiell ein geringeres Risiko sich anzustecken. Dahingegen haben Ungeimpfte ja teilweise sogar ein Interesse daran, sich anzustecken, um den Genesenenstatus zu erhalten.

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Das folgende Diagramm zeigt für die Omikron-Variante (über alle Altersklassen hinweg) die Hospitalisierungsrate und die Hospital-to-Death-Rate für die drei Gruppen.

Alle Altersklassen

Das bestätigt mein Mantra: die Impfung hilft gegen schwere Verläufe, aber der Booster bringt nichts mehr. Die Gedächtniszellen kennen das Spike-Protein ja schon.

Die Hospitalisierungsrate ist bei Omikron zwar nicht verfälscht, aber bei der Gesamtzahl (bzw. vorher Delta) schon. Das liegt daran, weil jeder der ins Krankenhaus kommt auf SARS-CoV-2 getestet wird – aber nicht die Probe eines jeden der ins Krankenhaus kommt wird sequenziert. Im Krankenhaus gibt es also praktisch eine Dunkelziffer von Null für die Gesamtzahl (bzw. Delta). Die folgende Grafik illustriert das nochmal:

Als Vergleich für Delta nehme ich den RKI-Wochenbericht vom 23.12.2021. Da gab es noch sehr wenig Omikron in Deutschland (Ende MW 50: 10,1% Omikron). Das hier sind die rohen Daten:

DeltaMW 47-50/2112-1718-5960 und älter
Sympt.Ungeimpft3169311487518525
Sympt.Grundimmun348111785935494
Sympt.Aufgefrischt2138762720
Hosp.Ungeimpft16629903637
Hosp.Grundimmun1013653150
Hosp.Aufgefrischt054387
TotUngeimpft0134947
TotGrundimmun026630
TotAufgefrischt06115

Fangen wir mit einem Vergleich der Hospitalisierungsinzidenz bei den 12-17jährigen (zwischen Omikron und Delta) an. Da die Ungeimpften dort in der Schule regelmäßig getestet werden, gibt es hier praktisch keine Dunkelziffer, so dass der Wert sehr gut mit der Hospitalisierungsrate von Omikron vergleichbar ist.

Zuerst einmal bestätigt sich hier, dass die Hospitalisierungsrate bei Delta und Omikron für Ungeimpfte im Alter von 12-17 praktisch gleich ist. Damit stellt sich natürlich die Frage, warum (also aufgrund welcher physiologischen Abläufe) sollte sie in anderen Altersgruppen anders sein?

Das nächste, was an der Grafik auffällt, ist, dass die Impfung anscheinend nicht die Hospitalisierungsrate für Omikron in diesem Alter verändert (die Erhöhung bei Aufgefrischt ist statistisch nicht signifikant). Warum also impft man in diesem Alter überhaupt? (Hinweis: ein Testbias liegt bzgl. Omikron nicht vor, siehe Grafik).

Kehren wir nun zu den Erwachsenen zurück. Wie oben erklärt, sind die Hospitalisierungsraten bei Delta künstlich erhöht, weil jeder im Krankenhaus auf Delta getestet wird. Schauen wir uns die unkorrigierten Zahlen an.

Alter18-5960 und älter
VarianteDELTAOMIKRONDELTAOMIKRON
Ungeimpft2,60 %0,78 %19,63 %5,55 %
Grundimmun1,16 %0,58 %8,87 %2,95 %
Aufgefrischt1,39 %0,38 %14,23 %1,83 %
Hospitalisierungsrate

Aus diesen beiden Zahlenpaaren kann man auf die vermutliche Dunkelziffer bei Delta schließen, welche die unterschiiedliche Hospitalisierungsrate erklären würde. Die Idee dahinter ist, dass eine Dunkelziffer bei den Delta-Fällen den Nenner der Hospitalisierungsrate künstlich verkleinert und damit die Hospitalisierungsrate für Delta künstlich erhöht.

Diese Ergebnisse sind erstaunlich konstant, man erhält in 4 von 6 Fällen eine Dunkelziffer von 3-3,5. Dazu kommt ein Ausreißer nach oben bei den Geboosterten 60+, die sich aktuell für nichts mehr testen lassen müssen unter 2G+, so dass eine höhere Dunkelziffer logisch ist. Und es gibt eine leicht erniedrigte Dunkelziffer bei den jungen Grundimmunen, die sich jetzt vielleicht lieber infizieren als boostern lassen, bzw. die sich mit 2Gplus aktuell vermehrt testen lassen. Zudem zählen als Grundimmun ja auch die Genesenen, die sich tatsächlich weniger anstecken.

Wenn wir also davon ausgehen, dass es eine Dunkelziffer für Delta von etwa 3 gibt, dann gibt es keinen Unterschied in der Hospitalisierungsrate der beiden Varianten. Jan Mohring, Mathematiker am Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik, hat aus Modellierungen eine Dunkelziffer von 4 berechnet, wie erst letzte Woche die Hessenschau berichtet.

Damit wäre der Punkt „kein Unterschied in der Hospitalisierungsrate“ wohl abgehakt.

Schauen wir uns nun noch die Hospitalisierungs-Sterbe-Rate an, die aussagt, wieviele Menschen pro Hospitalisierung sterben. Hier sind die Rohdaten:

Alter18-5960 und älter
VarianteDELTAOMIKRONDELTAOMIKRON
Ungeimpft4,48 %1,59 %26,04 %23,26 %
Grundimmun1,90 %0,73 %20,00 %12,96 %
Aufgefrischt11,11 %2,44 %29,72 %15,91 %
Hospitalisierungs-Sterbe-Rate

Also was am auffälligsten ist: Die Menschen mit dem größten Risiko, ungeimpfte über 60, haben die geringste Risikoreduktion durch Omikron!

Hospitalisierungs-Sterbe-Rate 60 Jahre und Älter

Wenn wir jetzt mit einberechnen, dass für die Delta-Fälle auch „Verdachtsfälle“ (ICD-10 Code U07.2) bei den Todesfällen gewertet werden, was etwa 5-10% aus macht, dann zeigt sich hier einfach kein Unterschied in der Gefährlichkeit von Omikron für Ungeimpfte.

Die Hospitalisierungs-Sterbe-Raten für Grundimmunisierte und Aufgefrischte sind in meinen Augen bei Delta zu hoch. Als Erklärung würde ich grundsätzlich den in der Grafik genannten Bias einbeziehen, dass auch Menschen, die nicht im Krankenhaus sterben, mit einberechnet werden.

Aus meiner beruflichen Erfahrung drückt sich das so aus: Ungeimpfte hochbetragte Personen sind überwiegend Selbstversorger im eigenen Haushalt mit schlechter ärztlicher Betreuung, die bei Zustandsverschlechterung durch COVID-19 ins Krankenhaus verlegt werden.

Dagegen sind vor allem geboosterte in Seniorenheimen oft nicht willens, ins Krankenhaus zu gehen, unterschreiben dann beispielsweise, dass sie nicht mehr ins Krankenhaus verlegt werden möchten. Diese Personen sterben dann zwar auch, aber sie erhöhen künstlich die Hospitalisierungs-Sterbe-Rate und erniedrigen die die Hospitalisierungsrate bei Delta. Bei Omikron ist das durch die Zufallsauswahl weitgehend korrigiert.

Das sieht man in der Hospitalisierungsrate der Aufgefrischten durch die hohe Dunkelziffer der Fälle wegen 2G+ (vergl. die Kreisdiagramme am Anfang des Beitrags) aber nicht.

DELTA-Variante

Die Werte bei Omikron bilden dagegen viel mehr die Realität ab.

Wir halten fest: Omikron macht bei den Ungeimpften 12-17jährigen keinen Unterschied in der Hospitalisierung und bei den Ungeimpften 60+jährigen keinen Unterschied in der Hospitalisierungs-Sterbe-Rate. Unterschiede in höheren Altersgruppen bei der Hospitalisierung erklären sich durch die Dunkelziffer, Unterschiede bei der Hospitalisierungs-Sterbe-Rate durch ein anderes zu Grunde liegendes Patientenkollektiv.

Mein Fazit

Omikron ist keine „mildere Variante“ sondern unterscheidet sich nur dadurch von Delta, dass einfach durch die Zufallsstichprobe einige vorhandene Bias bereinigt werden.

Dass die Krankenhäuser nicht „zulaufen“ liegt einfach daran, dass sich aktuell fast nur jüngere Infizieren. Das ist ja etwas, auf das ich schon vor fast zwei Jahren in meinem 1. offenen Brief hingewiesen habe. Ohne Lockdown infizieren sich nunmal einfach primär die Jüngeren, weil die mehr Kontakte haben.

Meine offenen Briefe

Meine beiden offenen Briefe an die Bundesregierung von Anfang 2020 und von Anfang 2021.

Letztendlich fehlt ja auch eine plausible physiologische Erklärung dafür, warum ein paar Veränderungen am Spike-Protein so großen Einfluss auf die Sterblichkeit des Virus haben sollten.

Es bleibt letztendlich dabei, dass die Gefährlichkeit von COVID-19 einerseits massiv überschätzt und zweitens durch schädliche Maßnahmen und falsche Behandlung künstlich erhöht wurde. Es sind alle Maßnahmen aufzuheben, und zwar nicht wegen Omikron, sondern weil sie einfach falsch sind.


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Veröffentlicht von Zacharias Fögen

Arzt. Psychosomatiker. Tiefenpsychologe. Verheiratet, Vater von zwei Söhnen. Gegner der Corona-Maßnahmen. Antikapitalist und Antisozialist.

3 Kommentare zu „Ist Omikron ungefährlicher als Delta?

  1. Zur Omicronanalyse von heute:
    die Zahlen taugen nichts solange die Zahlen durch das RKI weiterhin so aufbereitet werden, dass immer noch kein Unterschied zwischen mit/ wegen Corona bei den Falldefinition gemacht wird.
    Ihr Ergebnis bis zur 2ten Impfung ergibt eine Vorteilhaftigkeit der Impfung ggü. den Ungeimpften. Gehört hierzu nicht auch eine Bewertung der Impffolgen und zwar ab dem ersten Tag des „Pieks“. Betreffend Ihres finalen Ergebnisses „Aufhebung aller Massnahmen“ gebe ich Ihnen recht. VG

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  2. Als regelmäßiger Leser des Blogs (und Abonnent) kann ich den heutigen Beitrag einordnen und in Beziehung zum wiederholten Mantra Ihrer Grundaussage sehen. Für sich gesehen birgt der Beitrag aber die Gefahr, genutzt zu werden um die „Maßnahmen“ zu verstetiigen und den beteiligten „Entscheidungsträgern“ die Chance für einen Kurswechsel ohne Gesichtsverlust zu nehmen. Ein solcher Kurswechsel wird ja zurzeit vor allem mit der geringeren Gefährlichkeit von Omikron begründet.

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    1. Das habe ich mir auch überlegt.
      Allerdings bleibt Wissenschaft nur dann Wissenschaft, wenn man die Veröffentlichung von Ergebnissen nicht von deren Opportunität abhängig macht.
      Zweitens sollen die Politiker sich nicht mit einer lahmen Ausrede davon schleichen können, zumal in zwei Monaten wenn Omikron 4 Wochen über 90% war die Daten eh plötzlich „schlechter“ werden…

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